Rezension: www.stuttgart-schwarz.de zu “Ich suchte Glück und fand …”
Markus Förster: Ich suchte Glück und fand nicht mal Liebe
Ein Titel, der wohl bei vielen von uns spontan seufzende Zustimmung hervorrufen dürfte. Doch Markus Förster’s aktuelles Buch vermittelt längst nicht die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, die sein Titel vermuten ließe. Im Gegenteil: Die Sammlung von 52 Gedichten umfasst das ganze Spektrum menschlicher Emotionen. Mal feinfühlig sanft (”Annemonenliebe”), mal frivol (”Feder”), mal wütend aber immer stilvoll lyrisch gelingt es Markus Förster Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die wir alle kennen, aber nicht immer in Worte fassen können. Daneben gibt es auch Gedichte mit sehr kritischem Inhalt. “Tag X” zum Beispiel oder auch “Körper:Welten”, wo mit knallharten Mitteln die Unmenschlichkeit in unserer Welt verdeutlicht wird. Dass es für empfindsame Menschen, die mit offenen Augen und wachem Verstand durch die Welt gehen, genug Gründe für Melancholie und Verzweiflung gibt, wissen wir schon. Aber dass es selbst unter diesem Bedingungen immer wieder Grund zu neuer Hoffnung gibt, kommt in dem Buch eindrucksvoll zur Geltung. Es kommt eben darauf an, ob man in der Lage ist auch mal die Perspektive zu wechseln. So wird z.B. im Stück “Wenn” die Frage gestellt, ob man über die “Endlichkeit aller Dinge” wirklich traurig sein sollte, oder ob sie nicht vielmehr absolut notwendig ist, für ein Leben, wie wir es kennen. Wem das zu philosophisch ist, erfährt in “Dezemberabend auf wunderschöne Weise, dass man den Winter auch anders beschreiben kann, als mit Kälte, Dunkelheit und glatten Straßen.
Wenn es dem Autor gelingt, den Leser mit nur wenigen Zeilen Text, eine ganze Weile nachdenklich zu machen (so ging es mir nicht nur beim Stück “Freiheit”), dann spricht das mit Sicherheit für seine Fähigkeiten als Lyriker und Künstler. Und doch legt der Erzähler Wert darauf in erster Linie Mensch zu sein. Ein Mensch der auch Schwächen haben darf. Dies wird in den Stücken „ich“ und „Geständnis“ deutlich. Natürlich darf man eigentlich nicht vom lyrischen Ich auf den Autor schließen. Dennoch denke ich, dass es ein sehr persönliches Buch ist, denn ich bezweifle einfach, dass man so schreiben kann, wenn man nicht selbst so empfinden würde. Das ganze Buch wirkt deshalb sehr ehrlich und authentisch auf mich. Dazu trägt auch die klare Sprache bei. Es wird nichts beschönigt oder verschleiert. Wenn das „Hodenfleisch Wasser trinken“ will, dann ist es halt so. Diese Emotion ist schließlich genauso menschlich, wie einer verflossenen Liebe nachzutrauern.
Das schönste Gedicht für mich ist Teil des letzten Kapitels: “Glücklich der Mensch”. Einfach wunderbar, wie Markus Förster es schafft die emotionale Achterbahnfahrt der vorangegangen 100 Seiten mit - in meinen Augen - sehr weisen Worten zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen. Ich bin versucht es zu zitieren, aber dann würde ich den Höhepunkt des Buches vorwegnehmen und das will ich nicht. Man sollte es ganz lesen, auch wenn die Geschichten noch so unzusammenhängend sein mögen, die Emotionen, um die es geht, sollte man in ihrer Gesamtheit betrachten.
Was bedeutet Glück für mich? Diese Frage kann nach Lesen des Buches vielleicht gar nicht mehr so einfach beantwortet werden, wenn man erst mal erkannt hat, worüber man alles glücklich sein könnte (und müsste!). Die meisten Leser werden feststellen, dass sie bereits glücklicher sind, als sie es vermutet hätten. Über Die Frage Nachdenken sollte man allerdings trotzdem … und wird man! Deshalb finde ich es sehr sinnvoll, dass am Ende des Buches zwei Seiten Platz sind für: “Meine Definition von Glück”…
Das Büchlein ist für 9,00 Euro über den Shop auf http://www.politischbedenklich.de zu bestellen. Die Auflage ist auf 333 Stück limitiert. Eins davon ist bereits in meinem Besitz und wird es auch bleiben.
Michael Küper
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